SALZBURGER KRAMPUSBRAUCHTUM

Zwischen Brauch
und Dunkelheit.

Hörner, Holzlarven und Glocken prägen das Bild. Dahinter steht eine lebendige Tradition mit einer vielschichtigen Geschichte – vom Nikolausbesuch bis zu den heutigen Läufen.

DIE GESCHICHTE ENTDECKEN
GLANBACH TEIFI'N · SALZBURGSEIT 2022
01 / EINE LEBENDIGE TRADITION
ZWISCHEN ADVENT UND BRAUCH

Mehr als eine Maske.

Wenn im Advent die schweren Glocken erklingen, wird in Salzburg eine Tradition sichtbar, die weit über den eindrucksvollen Auftritt hinausgeht.

Der Krampus ist die furchteinflößende Begleitgestalt des heiligen Nikolaus. Im traditionellen Hausbesuch steht er dem gabenbringenden Nikolaus gegenüber. Später entwickelten sich neben solchen Besuchen eigenständige Auftritte und organisierte Krampusläufe, wie sie heute in vielen Salzburger Gemeinden stattfinden. [1] [2]

Die genauen Ursprünge lassen sich historisch nicht lückenlos nachweisen. Sicher ist aber: Bräuche verändern sich. Ihre Bedeutung liegt nicht allein in ihrem Alter, sondern auch darin, dass Menschen sie weitertragen und neu gestalten.

IM MITTELPUNKT DES BRAUCHTUMS

Was man auf der Straße sieht, beginnt lange vor dem Lauf.

02 / HISTORISCHE SPUREN

Eine Geschichte.
Viele Entwicklungen.

Historische Belege erzählen nicht von einer einzigen unveränderten Urform. Sie zeigen unterschiedliche Bräuche, Verbote, Hausbesuche und die Entwicklung des heutigen öffentlichen Laufgeschehens.

1582

Früher Beleg eines Perchtenbrauchs

In Dießen am Ammersee ist eine „Perchtenjagd“ urkundlich erwähnt. Das ist ein früher Beleg für Perchtenbrauchtum – kein Nachweis dafür, dass heutige Krampusläufe bereits damals in dieser Form stattfanden. [1]

17.–18. Jh.

Kontrolle, Verbote und Nikolausspiele

Maskierte Umzüge und Spiele rund um Nikolaus und winterliche Brauchgestalten gerieten immer wieder mit kirchlichen und weltlichen Obrigkeiten in Konflikt. Auch die Aufführungsformen wandelten sich. [1] [2]

um 1850

Ein originales Stück aus dem Gasteinertal

Das Salzburg Museum bewahrt eine schaurige Maske aus dem Gasteinertal auf, die um 1850 datiert wird. Fichtenholz, Schaffell und Bockshörner zeigen eindrucksvoll die Materialien solcher historischen Larven. [3]

um 1900

Nikolaus und Krampus im Salzburger Haushalt

Ein „Nikologartl“ aus der Zeit um 1900 zeigt Nikolaus und Krampus als Figuren eines weihnachtlichen Gabengartens. Dieses Objekt dokumentiert, wie stark der Brauch auch mit Familien und der Bescherung verbunden war. [4]

20. Jh. bis heute

Vom Hausbesuch zur großen Pass

Vereine und Passen gestalten heute öffentliche Krampusläufe. Die Verbindung aus Nikolausfigur und Schiachperchten prägte die Entstehung moderner Krampusperchten. Besonders seit den 1960er-Jahren wurden größere Auftritte verbreiteter. [5]

03 / FIGUREN & JAHRESZEITEN

Krampus oder Percht?

Die Begriffe werden heute häufig gemeinsam genannt. Historisch haben sie jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.

Originalfotografie eines Krampus der Glanbach Teifi'n in schwarzem Fell und mit Hörnerlarve
01 — ADVENT

Der Krampus.

Im klassischen Nikolausbrauch begleitet der Krampus den heiligen Nikolaus rund um den 5. und 6. Dezember. Er steht für die strenge, erschreckende Seite des Besuchs, während Nikolaus lobt und Gaben bringt.

Rute, Kette, Hörner und Fell sind typische Attribute; regional unterscheiden sich Erscheinungsbild und Namen. [2]

Mehrhörnige Perchtenlarve mit markanter Holzmaske und Klappmaul – vom Verein bereitgestelltes Beispielfoto
02 — RAUNÄCHTE

Die Perchten.

Perchten gehören zum winterlichen Brauchtum des Alpenraums. Neben Schiachperchten gibt es Schönperchten mit eigenen Gewändern und regionalen Formen. Ihre Auftritte sind insbesondere mit der Zeit um den Jahreswechsel verbunden.

Die Grenzen verschwimmen bei heutigen Veranstaltungen oft; auch Krampusperchten verbinden Elemente beider Traditionen. [5] [6]

HISTORISCHER HINWEIS Eine unmittelbare, zweifelsfrei nachgewiesene Abstammung heutiger Krampusläufe aus vorchristlichen Kulten gibt es nicht. Solche Behauptungen sind Teil populärer Erzählungen, aber keine gesicherten historischen Tatsachen. [1] [5]

04 / DAS ERSCHEINUNGSBILD

Holz. Fell.
Glocken. Ruten.

Was heute als Krampusgewand getragen wird, verbindet traditionelle Materialien, aufwendiges Handwerk und moderne gestalterische Einflüsse.

Handwerklich gestaltete Krampuslarve mit ausgeprägten Hörnern und Fell
DIE LARVE

Ein Gesicht, das im Gedächtnis bleibt.

Die Larve ist das sichtbarste Merkmal des Krampus. Heute werden Masken häufig aus Holz geschnitzt und bemalt. Hörner – etwa von Widdern, Rindern oder Ziegen – und ausdrucksstarke Gesichtszüge geben jeder Figur ihren Charakter.

Schon historische Stücke zeigen, wie kreativ die verwendeten Materialien waren. Das Salzburg Museum dokumentiert beispielsweise eine Maske aus Fichtenholz mit Schaffell und Bockshörnern aus dem 19. Jahrhundert. [3] [5]

UNSERE MASKEN UND MITGLIEDER ↗
01

Das Fell

Zottelige Fellgewänder verwandeln die Silhouette und gehören in vielen Regionen zum charakteristischen Auftreten der Krampusse.

02

Die Glocken

Schwere Glocken und Schellen machen den Lauf hörbar, bevor die Figuren überhaupt zu sehen sind. Ihr Klang prägt die Atmosphäre eines Krampuslaufs.

03

Ruten & Ketten

Historisch verkörperten sie die strafende Seite des Krampus. Heute sind sie wichtige Requisiten des Brauchs; ein respektvoller Umgang mit dem Publikum steht dabei im Vordergrund.

Zur Entwicklung der Gewänder und Requisiten: Österreichische Nationalbibliothek und Salzburger Kulturlexikon. [1] [5]

05 / VEREINSLEBEN

Unser Rutenbinden 2026.

Gemeinsam Birken holen, vorbereiten und die Ruten binden. Das gehört bei den Glanbach Teifi'n zur Vorbereitung auf die Saison.

Die Bilder dokumentieren einen Teil unseres Vereinslebens abseits der Auftritte.

ZUM FOTOALBUM ↗
06 / REGIONALE WURZELN

In Salzburg
zu Hause.

Im Salzburger Land gehören Krampus- und Perchtenläufe zur Advent- und Winterzeit. Die Passen unterscheiden sich in ihren Auftritten und Gewändern – gerade das macht die regionale Vielfalt sichtbar.

Der Gasteiner Perchtenlauf steht für eine eigenständige und historisch bedeutende Tradition. 2011 wurde er in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Das ist eine Anerkennung dieses konkreten Brauchs und nicht eine pauschale UNESCO-Auszeichnung für alle Krampusläufe. [7]

2011Gasteiner Perchten · nationales Kulturerbe
2022Gründungsjahr der Glanbach Teifi'n
07 / WISSENSWERTES

Fragen zum Brauchtum.

Wissenswertes über den Krampus, die Pass und ihre Traditionen.

Warum begleitet der Krampus den Nikolaus?

Im Nikolausbrauch verkörpern die beiden Figuren unterschiedliche Rollen: Nikolaus steht traditionell für Lob und Gaben, der Krampus für die mahnende und erschreckende Seite des Besuchs. Regional unterscheiden sich die Abläufe und die Gestaltung der Figuren. [2]

Was ist eine „Pass“?

Als Pass bezeichnet man im regionalen Sprachgebrauch eine Gruppe von Krampus- oder Perchtenläufern, die gemeinsam auftritt. Viele solcher Gruppen organisieren sich heute als Vereine. [5]

Warum trägt der Krampus Ruten?

Die Rute verweist auf die traditionelle Rolle des Krampus als strenge Begleitfigur des Nikolaus und auf ältere Vorstellungen von Erziehung und Strafe. Bei heutigen öffentlichen Läufen ist sie vor allem ein bekanntes Symbol und Requisit. [2]

Originales Vereinslogo der Glanbach Teifi'nGLANBACH TEIFI'N · SEIT 2022

Brauchtum lebt
durch Menschen.

Wir sind in der Stadt Salzburg zu Hause – mit Mitgliedern auch über die Landesgrenze hinaus.

UNSERE MITGLIEDER ↗UNSERE LÄUFE ↗